Montag, 2. Januar 2012

Dreizehnter Tag: Geheimnishaus und Stachelschweine

Noch einmal frühstücken wir unter dem Mopane-Baum, wieder in Gesellschaft der jungen Katze. Luis und Carl haben sie "Mamizia" getauft. Dann geht es mit dem Wagen auf's staubige Waschbrett. Während der Fahrt möchten die Kinder wieder "Die geheime Benedikt Gesellschaft" hören. Doch es rumpelt so laut, dass Reynies, Klebers, Kates und Constances Abenteuer kaum zu verstehen sind. In Khorixas machen wir kurz Pause. Wir tanken und versuchen vergeblich, einen Geldautomaten zu finden, dafür winken ganz viele Schwarze mit Makalani-Nüssen und wollen unsere Namen wissen.

In Kamanjab ist die "Pension Oase", wo Kurt und Erika die Nacht verbringen wollten, dank Else rasch gefunden. Doch das Haus hat deutlich geschlossen: Tor verriegelt, Läden unten, ein Zettel am Zaun. Etwas weiter die Straße hinauf steht jedoch eine weitere Herberge, das "Oppi Koppi". "Ja, ein deutsches Ehepaar übernachtete hier," bestätigt die Tochter der Wirte. "Sie sind heute morgen in einem grünen Land Rover mit deutschem Kennzeichen abgefahren." Das ist eindeutig. Wir klappern noch die Geldautomaten im Ort ab. Vorher hält uns jedoch eine Militärstreife ab. "Guten Tag, wie geht es Ihnen? Wo kommen Sie her? Khorixas? In Ordnung." Alle beide Geldautomaten des Ortes stehen in geschlossenen Supermärkten, also geht es wieder auf die Landstraße und nach einem verwirrten Augenblick des Rechtsverkehrs in Richtung des Treffpunkts.

Von der Landstraße fahren wir ab auf eine Sandpiste, die sich zwischen vereinzelten Bäumen, Ziegenherden und an einem Dorf vorbei windet. Dann stehen wir vor einem in eine Felsengruppe gebauten Haus: Der Onjowewe Lodge. Davor parkt bereits der bekannte grüne Landy mit Krefelder Kennzeichen, aus dem Schatten laufen uns die Großeltern entgegen und wieder einmal feiern wir Wiedersehen. Zunächst verstauen wir die Vorräte im Gasbetriebenen Kühlschrank, der in der Küche im Erdgeschoss steht.Wir steigen die Treppe zum Wohnbereich herauf. Hier ist alles offen und luftig gebaut, wir werden das Haus in den nächsten zwei Tagen mit seinen ständigen Bewohnern teilen: Vögel und Eidechsen.

An der Terrasse ist der Grillplatz gemauert und es geht eine Holztreppe zum Pool herunter. Eine Treppe führt hinauf zu unserem Schlafzimmer und öffnet man dort eine weitere Tür, führen Bretterwege durch, um und auf die Felsen. Von hier aus kann man weit über die Baum- und Strauchbewachsene Ebene blicken. Während wir unsere Sachen einräumen, käschern die Kinder den Pool sauber und hüpfen hinein.

Zum Abendessen lädt Kurt uns ins Oppi Koppi ein. Zu sechst klettern wir in den Landy -- die zweite Batterie ist abgeklemmt, offenbar ist es der Regler, der defekt ist, und auch den Thermostaten des Kühlschranks hat es erwischt -- und rumpeln zurück nach Kamanjab. Das Oppi Koppi bietet eine einfache, aber viel versprechende Speisekarte, einen Pool, drei Hunde und einen jungen Springbock, der sich aber selbst zu den Hunden zählt. Luis und Carl versuchen, ihn anzulocken und schließlich wird ihre Mühe auch belohnt. Der Trick: etwas Salz auf die Handfläche streuen.

Für den Abend hat Kurt sich etwas besonderes ausgedacht: Durch die Dämmerung suchen wir nach der Abzweigung zum "Porcupine Camp". Doch das Schild ist kaum zu sehen, wir müssen nach dem Weg fragen und als wir ankommen, ist es bereits dunkel. Doch die Vorstellung hat noch nicht begonnen: der Haufen Gemüse liegt noch unangetastet im Scheinwerferlicht vor der Veranda. Wir bestellen Getränke, die Eigentümerin hält einen kurzen Vortrag über Stachelschweine, ihre verschiedenen Stachelhaare und da! Schon erscheint eines der Tiere und nähert sich vorsichtig dem Futter, probiert zögernd und verschwindet wieder. Dann kommt das nächste und schon bald schubsen sich sieben dieser Tiere um die Futterstelle. Ein Stachelschwein kommt sogar auf die Veranda; die Eigentümer hatten es als Jungtier gefunden, großgezogen und wieder ausgewildert. Es ist spät geworden, als wir wieder am Filmhaus sind. Britta und ich tragen die schlafenden Kinder hinauf und decken Sie unter dem Moskitonetz zu.

Sonntag, 1. Januar 2012

Zwölfter Tag: Buschmannbilder und Damara

Kurt und Erika mussten sich erneut von uns trennen: die Zusatzbatterie stinkt immer noch, sie können in ihrem Zelt darüber nicht mehr schlafen. Also fahren sie voraus nach Kamanjap -- selbst wenn sie dort keinen Mechaniker finden sollten, so können sie in einer Pension ohne Batteriegestank nächtigen.

Wir vier machen uns auf den Weg nach Twyvelfontein, um uns dort auf einer Tour zu den Felszeichnungen führen zu lassen. Den Weg dorthin finden wir zunächst nicht, also fragen wir in der Twyvelfontein Country Lodge in der Nähe. Hinter einem Weg durch eine Felsgruppe erhebt sich die Lodge, davor plätschert ein Wasserfall in einen mit Rasen umwachsenen Pool: Hier möchte ich Mittagspause machen.

Die Anmeldung zur Tour liegt hinter einem staubigen Parkplatz; beim Aussteigen entdeckt Carl, dass es unter dem Wagen tropft. Ich krabbele unter das Fahrzeug, es ist Wasser, das aus dem Überlauf des Wasserkühlers zu kommen scheint. Visionen von einem kochenden Motor auf der Wüstenpiste nehmen mir die Entspanntheit.

Unser Führer, ein Damara, geleitet uns zusammen mit einem Krakauer Paar das wir bereits in Xaragu kennen lernten, den Felsen von Tywelfontein hinauf. Eine angeblich fünftausend Jahre alte Ritzung der Buschleute auf Sandstein soll Wasserstellen bezeichnen. Dann kommen wir an ein Rinnsal im Felsen; auf der kurzen Grasfläche davor dienen die Steine den Eidechsen als Sessel, von denen aus sie sich am Insekten-Buffett bedienen: die "zweifelhafte Quelle", die Twyvelfontein den Namen gab. Weiter geht es zu einem großen überhängenden Felsen. Unter diesen sind mit Ocker Bilder von Jägern und Tieren gemalt.

Zeit für Fotos und für eine Trinkpause. Ein paar Felsen weiter kommen wir zu einer weiteren Quelle, die unser Führer mit der Handpumpe betreibt. Die Kinder erfrischen sich, ich fülle zwei Flaschen mit dem trinkbaren Wasser. Zurück am Auto stelle ich fest, dass der Wasserkühler randvoll ist, auch die Motortemperatur bleibt auf dem Weg zur Tywelfontein Lodge im sicheren Bereich. Wir lassen uns zu einem Tisch führen und bedienen uns am Buffet: ein Koch brutzelt frisches Fleisch vom Huhn, Rind oder Springbock für uns, dazu sucht man sich die Soße und das mit zu bratende Gemüse aus. Die Kinder essen reichlich, und auch ich lasse mir Nachschlag geben.

Dann fahren wir zum "lebenden Museum", dem nachgebauten Dorf der Damara hinter einem Sandsteinfelsen. Unsere Führerin namens Xenia (?) Stellt uns den Dorfältesten vor, dann beginnt die Führung mit der "Apothekerin": uns werden die verschiedenen Pflanzen des Busches und ihre Verwendung erklärt; es gibt eine, die zu Hustentee aufgegossen wird und sehr aromatisch riecht, eine andere, die gegen Bauchschmerzen wirkt und eine andere, deren Tee man bei Blähungen nehmen soll. Besonders wichtig: ein wildes Getreide, das zu Grütze verarbeitet wird -- und zu Bier, wie wir an einem von Bienen umschwirrten Gärgefäß vorgeführt bekommen. Es folgt eine Vorführung des Gerbens an einer Ziegenhaut und bei den "Juwelieren" dürfen Luis und Carl beim Bohren der Straußeneierschalen mithelfen. Besonders beeindruckend: drei Männer drehen dir Spitze eines Stabes aus Hartholz in einer vorgebohren Mulde eines Stückes weichen Holzes, dazu wird getrockneter Dung gestreut. Sie wechseln sich ab, bis eine kleine Glut im Dungpulver entsteht; dieses überträgt einer der Männer vorsichtig und unter blasen in ein Nest aus trockenem Gras, das schließlich Feuer fängt.

Der "Schmied" ist ebenso kurz angebunden wie als "Gerber", dann folgt der wohl obligatorische Tanz. Endlich geht es auf die halbstündige Buschwanderung, auf die uns ein Jäger und ein kleiner Junge begleitet, der schon die ganze Zeit von Luis und Carl fasziniert schien. Uns werden die Pflanzen des Busches und ihr Nutzen erklärt, der Jäger simuliert das Anschleichen und schießt seinen Bogen ab. Luis und Carl dürfen es auch einmal versuchen. Eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Kleintierfall wird aus einem großen flachen Stein, Zweigen und einer Schnur gebastelt.

Beim Kunsthandwerkladen am Ausgang kriegt Luis einen Nashorn-Anhänger und Carl einen kleinen Bogen mit Köcher. Zurück im Xaragu-Camp hüpfen die Kinder in den kleinen Pool. Später, nach einem leichten Abendessen, verballern die Kinder die Reste der mitgebrachten Böller und entfache ich ein gemütliches Lagerfeuer -- mit Feuerzeug, wie kunstlos -- zu dem sich die Familie und auch eine junge Katze gesellen.

Samstag, 31. Dezember 2011

Elfter Tag: Bummel und Batterieprobleme

Ein gutes Frühstück, ein paar Telefonate -- wieder einmal erweisen sich die in Windhoek gekauften Telefonkarten als unentbehrliche Hilfe -- mit Zeltplätzen im Damara-Land, dann verlassen wir Onduruquea in Richtung Omaruru, um anschließend über Uis zur Xaragu-Farm zu gelangen. Kurts Land Rover muss wieder fremd gestartet werden, die zweite Batterie gast stark. Omaruru liegt entlang der Landstraße und wirkt im Vergleich zu den Orten, die wir bislang sahen, geradezu wohlhabend. Die Schokoladenfabrik hat leider geschlossen und auch kein Mechaniker hat für Kurt geöffnet. Neben dem obligatorischen Laden der Telefongesellschaft gibt es unter anderem eine Tischlerei, ein Andenken-Lädchen und ein Café. Wir bummeln durch ein Kunsthandwerk-Geschäft und verproviantieren uns mit Brötchen und Getränken im Supermarkt. Kurt möchte noch einmal ins Kunsthandwerk-Geschäft und nach einer Ersatzbatterie fragen, also fahren wir voraus.

Wieder geht es über Waschbrett-Pisten durch die Landschaft; auf und ab wie auf der Achterbahn zwischen gelb geblichenen Gräsern, dazwischen stehen ein paar spärliche Bäume. In Uis machen wir Mittagspause an einem Rastplatz, wo wir Cola und Fanta zu unseren Brötchen kaufen. Zum ersten Mal seit über dreißig Jahren trinke ich wieder Fanta Ananas -- ich hatte gehofft, es wäre Limette. Luis pflichtet mir bei, dass das Zeug eklig ist. Hinter Uis biegen wir auf eine D-Straße ins Damara-Land ab.

Die Landschaft ändert sich, rote Sandsteinfelsen erheben sich aus der Ebene; im Gegenlicht leuchtet das trockene Gras gelber, der Himmel wirkt im Kontrast blauer, hier und da tupft ein Baum einen grünen Fleck in die Landschaft. Wir kommen an Tywelfontein vorbei und an dem "lebenden Museum", einem nachgebauten ursprünglichen Damara-Dorf. Hierhin wollen wir morgen unseren Ausflug unternehmen. Wir melden uns im Xaragu-Camp für Übernachtung und Abendessen an. Kaum haben wir unsere Dachzelte aufgebaut und eingerichtet, treffen auch Kurt und Erika ein. Kurt konnte in Omaruru zwar keine neue Batterie erhalten, dafür kaufte er im Kunsthadwerk-Laden ein hübsche geschnitzte Dose.

Freitag, 30. Dezember 2011

Zehnter Tag: Savannenwanderung und Dornen im Schuh

Kurt erwägt, zu verzweifeln. Dabei hatte der Tag so gut begonnen: unser erstes Camping-Frühstück zu sechst. Knäcke- und Früchtebrot, Butter und Streichkäse, Himbeer- und Limettenmarmelade und natürlich Kaffee vom Gaskocher. Auch der Ausflug für den Vormittag wird geplant: gestern hatte uns die freundliche Frau Kögel Karten für die Sehenswürdigkeiten auf Ihrer Farm mitgegeben: Ein Wanderweg führt zu Steinzeichnungen in der Phillips-Höhle, etwas weiter haben bei Bull's Party Jahrtausende sandiger Winde bizarre Formen aus dem roten Sandstein geformt.

Doch die Stimmung ist trüb und Kurt ratlos: wieder springt der Landy nicht an und die Zusatzbatterie gast. Es gibt kein Schaltbild zur Beschreibung der nachträglich eingebauten Verkabelung. Schließlich die Erleuchtung: der Schutzschalter gegen Tiefentladung steht auf "Aus". Mit banger Hoffnung, dass es dies tatsächlich war, verlassen wir nach Fremdstart den Campingplatz. Auf der Sandpiste zu unserem ersten Halt gibt es nicht viel zu sehen, außer einer Tüte Klorollen aus dem Laderaum des Vorausfahrers. Merke: auf Wellblechpiste Kofferraumklappe nicht nur zuziehen, sondern abschließen.

Auf dem Parkplatz angekommen muss erst einmal der Wanderweg gefunden werden: Aha, am Fels entlang rechts. Und schon geht es im Gänsemarsch mit vier Liter Wasser im Gepäck los. Frau Kögel hat dafür sorgen lassen, dass sich niemand auf ihrer Farm verläuft, weiße Doppelpfeile zeigen in engen Abständen an, wo es lang geht.

Großeltern wie Kinder klettern erstaunlich flink den Pfad zwischen Stein und Büschen entlang. Einzige Hindernisse: Bunte Eidechsen, die uns fotogen von Felsen zunicken.

Eine gute halbe Stunde und einen Liter Wasser später erreichen wir die Phillips-Höhle im roten Sandstein. Antilopen, Jäger und eine riesige Giraffe malten vor Jahrtausenden Buschleute mit Ocker an die Rückwand unter einem breiten Überhang. Wir machen Fotos, rasten, verbrauchen dabei einen weiteren Liter Wasser und zögern den Moment des Aufbruchs unter die höher gestiegene Sonne heraus. Aber es hilft nichts, also wird zurück marschiert.

An der Wegkreuzung zur Bull's Party laufen wir vorbei, und nehmen statt dorthin zu wandern lieber wieder die Autos. Das geht schneller, fühlt sich aber nicht so verdient an.

Und so kehren wir nach nur kurzem Aufenthalt bei den gewaltigen Felsen wieder zurück zum Camp. Luis und Carl dürfen noch einmal im Pool planschen während wir einer freien Unterkunft mit Abendessen hinterhertelefonieren. Leider ist das Abendessen auf der Orunduquea Farm ausgebucht, und es soll auch nur einen freien Campingplatz geben.

Also halten wir noch einmal in Usakos, um Grillfleisch zu holen. Die Auswahl in den zwei Märkten im Ort erweist sich als dürftig, aber wir werden nicht verhungern. "Da vorne, ein Gelbschnabeltoko!" Von einem Baum neben der Straße zur Orunduquea-Farm flattert einer der großen Vögel mit dem auffälligen Schnabel auf. Wieder einmal ist es Britta, die als erste die Fauna erkennt. Oder nicht? Ein paar Meter weiter betrachten uns neugierig unsere ersten Impalas. Ohne den Halt hätten wir sie übersehen.

Herr Sibold weist uns zu unserem Campingplatz unter halb der Bungalow-Anlage. Die meisten anderen Plätze sind leer, wir können im Schatten unter ein paar hohen Bäumen bleiben. Wieder werden die Zelte aufgebaut und aus dem harten Brennholz ein Feuer entfacht. Die gekauften Kotletts entpuppen sich als Kasseler, was ja auch auf der Packung steht. Uns schmeckt es trotzdem.

Ein Pfad führt an der Anlage vorbei zu einem Wasserloch und wir nehmen auf der Bank davor Platz. Doch Luis beklagt sich laut: hier gibt es Dornen, die durch die Sohlen seiner Kroks hindurch stechen. Auch Carl befällt das gleiche Schicksal und sogar Britta spürt sie. Die Tierschau am Wasserloch muss ohnehin ausfallen, die Kinder können einfach nicht still halten. Schade, dabei entgeht ihnen ein Warzenschwein.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Neunter Tag: Zebras und die alte Dame

Noch einmal wird Frühstück im Hotel genossen, Geld abgehoben und der Supermarkt geplündert. Mit vollen Kühltruhen geht es Richtung Erongo-Gebirge, Kurt und Erika folgen uns in Sichtweite. Wir haben Asphalt, also kann ich die Kinder mit einer Lesung der "Geheimen Benedikt Gesellschaft" unterhalten. Luis ringt mit seiner Verdauung, weshalb wir häufig Pausen einlegen müssen.

Zur Mittagszeit machen wir einen Abstecher in Richtung Spitzkoppe. Dort führt eine Gemeinschaft vom Damara-Stamm einen Rastplatz, in dessen Restaurant uns der freundliche Manager unser Mitgebrachtes picknicken lässt. Kurt meint, auf dem Weg einen Wüstenwaran gesehen zu haben. Auf dem Weg zur Ameib-Ranch, unserer Station für die Nacht, geht es Luis dank Imodium wieder besser. Wir biegen im Örtchen Usakos ab und fahren sogleich wieder wie auf Wellblech. Auf dem Weg zur Farm übersehen wir beinahe eine Herde Zebras! Die Tiere zeigen jedoch alles andere als Neugier, so dass wir nur noch ihre Hinterteile fotografieren können.

Auf der Ameib Farm werden wir zur Anmeldung zu Frau Kögel geleitet. Der Hof beherbergt einige große Köcherbäume, drinnen wirkt die Dame trotz ihres Alters gut gelaunt; sie scherzt mit Kurt und wünscht uns fröhlich einen angenehmen Aufenthalt. Ein Angestellter geleitet uns zum umzäunten, sauber aufgeräumten Camping-Platz. In der Nähe des etwas klein geratenen einzigen Waschhauses lädt ein Pool zum Abkühlen ein, was Luis und Carl auch gleich annehmen. Kaum sind die Zelte aufgebaut, werfe ich Brennholz in den Grill. Die "heavy-duty" Alufolie bewährt sich wieder einmal als unverzichtbares Zubehör und schon bald bruzeln Steaks und Würste über dem Feuer.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Achter Tag: Bummeln und Mechaniker

Beim Frühstück zieht Kurt ein langes Gesicht: der Landy ist wieder nicht angesprungen. Da muss er heute wohl wieder zum Mechaniker. Wir anderen fahren aus Swakopmund heraus zu "Daredevil Adventues". Dort gibt es einen Rundkurs, auf dem wir die Kinder für nur 200 Namib-Dollar Quads fahren lassen wollen. Dabei ein kurzer Schreck: Blinker und auch Warnlicht sind im Eimer. Unser Autovermieter, Herr Hester, gibt uns telefonisch die Nummer eines Mechanikers durch.

Doch zunächst zum Quadfahren: der Herr hinter der Anmeldung bedauert: leider seien alle seine Mitarbeiter derzeit mit Gästen auf Tour, so dass niemand Luis und Carl beaufsichtigen könne, während diese ihre Runden drehten. Sobald aber einer frei sein, könnten die Kinder fahren. Nachdem etliche weitere Kunden eingetroffen und mit angeblich nicht vorhandenen Mitarbeitern losgefahren sind, geben wir auf. Die Kinder dürfen ein paae Schritte weiter Bungee-Trampolin springen, dann geht es zurück ins Hotel.

Unser Mechaniker versucht am Telefon gar nicht erst, uns den Weg zu erklären. Stattdessen schickt er uns seinen Sohn, der Britta und mir vorausfährt. Luis und Carl bleiben solange bei Oma. Eine Viertelstunde und eine ausgetauschte Sicherung später machen wir uns zum ausgedehnten Bummeln auf den Weg. Einen Imbiss gibt es in einer Konditorei. Luis und Carl kriegen Schinkentoast, wir essen Käsestreusel und Karamelcreme-Torte. Dann nehmen wir uns Linzer Törtchen, Schokokringel und Florentiner mit zum Bummeln durch die Läden.

Leider darf ich Luis und Carl aber keine Buschhüte kaufen. Den Tag beschließen wir im "Tug", wo die Kellner fein und die Speisen gut sind.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Siebter Tag: In der Wüste tanzt die weiße Dame


Heute rollen wir noch früher aus den Betten als Tags zuvor, denn unsere Wüstentour mit "Living Desert Adventures" soll beginnen, während es noch kühl ist. Verschlafen stopfe ich die Kinder in ihre Klamotten und Britta torkelt zum Supermarkt, um Frühstück zu kaufen. Wir schlingen es irgendwie herunter, dann stehen wir schon vor dem Hotel und kurz darauf hält vor uns ein sandfarbener Geländewagen.

Douglas, ein rotgesichtiger, knorrig wirkender Einheimischer begrüßt uns auf deutsch. Wir steigen in den Land Rover zur bereits wartenden dreiköpfigen chinesisch-deutschen Familie und fahren los, um den Wagen mit den übrigen Teilnehmern zu treffen und Chris, unseren Führer. Chris wirkt sportlich und geradezu jugendlich, obwohl er etwa Mitte vierzig sein müsste. Er merkt sich unsere Namen, dann geht es mit den Fahrzeugen durch das trockene Bett des Swakop und in die Dünen.

Douglas erklärt uns, dass das Grün im Flussbett noch von den Regenfällen im März stammt. Der Fluss verhindere, dass Swakopmund unter den Dünen versinkt, die nach Nordosten zögen. Alle paar Jahre führe der Fluss Wasser und spüle den Sand davon. Douglas zeigt auf alte Brückenpfeiler in Richtung Mündung; dort stand eine Eisenbahnbrücke, die vor achtzig Jahren fort gespült wurde. Es wurde eine neue Bahnlinie gebaut, die jedoch inzwischen der Sand verschüttet hat. Am Rande einer mannshohen Düne lässt Chris halten. Er hält zunächst eine kurzen Ansprache über die Übel des Quadfahrens in der Wüste -- ein Thema, das ihm offenbar am Herzen liegt und uns darin erinnert, dass wir Luis und Carl morgen eine Runde auf Quads spendieren wollten.

Dann erklärt er uns den Lebenskreislauf der Wüste: der Nordostwind weht aus dem Landesinneren totes Pflanzenmaterial hierher, das sich unter den Leeseiten der Dünen sowie unter den Wüsten-Sukkulenten sammelt. "Muesli" nennt Chris das, und der Tau sei dazu die Milch.

Silberfische und Käfer wie "Toc-Tocs" ernährten sich davon, und von diesen leben etliche Jäger. Einen davon führt Chris uns auch gleich vor. An der Leeseite der Düne waren uns bereits tellergroße helle Stellen aufgefallen. Um eine dieser Stellen räumt er weiträumig den Sand fort, um den Bau des Tieres nicht zu verschütten. Dann buddelt er der Röhre nach, die eine halbe Armlänge tief in die Düne reicht. Blitzartig richtet er sich auf und ein Kinderfaust großes Knäuel rollt die Düne herab. Unten angekommen, tänzelt die Spinne um sich herum, das vordere Beinpaar in Angriffshaltung.


Chris erklärt uns, das beides, das herabrollen lassen und tänzeln, typisch sei für die Dancing White Lady. Ein paar Fotos später geht es wieder in die Fahrzeuge.

Wir fahren langsam zwischen die Dünen weiter, dann hat Chris eine geschlängelte Spur im Sand entdeckt und lässt uns wieder aussteigen und fragt unser Wissen ab: "Was hat diese Spur hinterlassen? "Eine Schlange", meint ein Tourgast. "Aber nein, ich hatte es doch erklärt!" "Ein Skink!" weiß jemand anderes. Chris hat die Beine- und Augenlose Echse rasch ausgegraben. "Es ist noch langsam, weil der Sand noch nicht warm ist," erklärt uns Chris. Wer saubere Hände hat und möchte, kann das Tier auf die Handfläche bekommen. Natürlich möchte ich, und Luis und Carl probieren ihre neuen Kameras aus.
 Das nächste Tier, dessen Spur Chris entdeckt wohnt in einer Sandhöhle, die nur durch den frischen Sand davor zu erkennen ist. Es ist ein Geckoweibchen dessen rosa Körper leicht durchsichtig wirkt. Nachdem Fotoshooting gräbt Chris ihm eine Höhle in den feuchten Sand, in der es buddelnd verschwindet.
An einem Geröllfeld halten wir abermals. Einer der Steine hat sich bewegt. Erst als wir näher herankommen erkennen wir das dunkle Tier: Ein Chamäleon. Chris ist ganz aufgeregt: wie man am hohen Rücken und den gelben Streifen am Hals erkennen könne, ist dies ein Männchen, und die seien hier weit seltener anzutreffen als die Weibchen. "Die Männchen haben einen ganz anderen Charakter als die Weibchen, sie sind viel aggressiver," so erklärt uns Chris, während der Chamäleonmann die zugeworfenen Würmer verschmäht. Chris wird leicht gebissen, als er das Tier auf die Hand nimmt. "Schaut nur, wie er sich dunkel macht, der ärgert sich richtig." Chris lässt das Reptil wieder auf den Boden, wo es sich gelb verfärbt und davon eilt.
"Da hinten ist noch eins, diesmal ein Weibchen!", ruft Chris uns zu einer anderen Stelle. Frau Chamäleon zeigt eine hellbraun-rosa Farbe, lässt sich zutraulich von Chris auf die Hand nehmen und nimmt gerne die angebotenen Käfer und Würmer an.
Dann geht es wieder weiter die Dünen hinauf, wo Chris uns die verschiedenen Sandarten erklärt: hellen groben Quarzsand, dunkleren feinen, roten Granat-Sand -- und schwarzen Sand. Chris holt einen Magneten hervor und zieht damit die feinen schwarzen Körnchen vom Boden an. Carl kriegt diesen auf Handfläche und Arm gehäuft, die Dann vom Magneten nach unten gezogen werden: Magnetit-Sand. Es folgt eine Fahrt hoch auf die Dünen zwischen zwei weiten Ebenen. Die Wolken über dem Küstenstreifen verziehen sich, in der Ferne sieht man Swakopmund.

Nach dem Ende der Tour setzt Douglas uns wieder am Hotel ab. Mit Kurt und Erika bummeln wir am Nachmittag durch die Stadt. Die Stimmung ist gelöst, denn der Landy funktioniert wieder. Wir spazieren die Strandpromenade entlang zum Plantsch-Spielplatz, den Kinder so gerne besuchen wollten. Britta und Erika setzen sich ins Café "Altes Brauhaus" während Luis und Carl auf Wasserrutschen und Hüpfburgen spielen. Abendessen gibt es heute im "Ocean Basket", das aus gutem Grund überfüllt ist. Glücklicherweise haben wir reserviert und können uns für Sushi und Garnelen ausgiebig Zeit nehmen.